Windlastberechnung für PV-Montagesysteme: Normen und Prüfung
Windlastprüfung bei PV-Montagesystemen: DIN EN 1991-1-4, Windlastzonen Deutschland, Flachdach-Auflastsysteme und häufige Montagemängel.
Von Redaktion Pvcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 20. November 2025
Windlast als Bemessungsgrundlage
Windlasten sind neben dem Eigengewicht die maßgebende mechanische Einwirkung auf PV-Montagesysteme. Bei Sturmereignissen, wie sie in Deutschland mit Windgeschwindigkeiten von 100–130 km/h in Orkan-Stärke vorkommen können, wirken erhebliche Sog- und Druckkräfte auf die Solarmodule und ihre Befestigung. Eine sachgerechte Windlastberechnung ist Voraussetzung für eine normgerechte und dauerhafte Befestigung.
Normative Grundlagen
Für die Windlastbemessung von PV-Montagesystemen gelten:
- DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1): Einwirkungen auf Tragwerke – Windlasten
- DIN EN 1993 (Eurocode 3): Bemessung von Stahlbauten
- DIN EN 1999 (Eurocode 9): Bemessung von Aluminiumbauteilen
- IEC 61215: Mechanische Belastbarkeit von PV-Modulen (2400 Pa Druck und Sog als Standard)
Windlastzonen in Deutschland
Deutschland ist in vier Windlastzonen eingeteilt:
- Zone 1: Inlandslagen (Referenzwindgeschwindigkeit 22,5 m/s)
- Zone 2: Küstenentfernte Lagen mit erhöhter Windlast
- Zone 3: Nordsee und Ostseeküste, Insellagen
- Zone 4: Nordfriesische Inseln (höchste Windlast)
- Zusätzlich: Gebirgslagen mit gesonderter Beurteilung
Prüfpunkte bei der Windlastprüfung im Feld
Eine Feldprüfung der Windlastkompetenz umfasst:
- Vorhandensein einer Statik- oder Windlastberechnung vom Montagesystemhersteller
- Windlastzone am Standort korrekt berücksichtigt?
- Einbauvorschriften eingehalten (Anzugsdrehmomente, Abstände, Überstände)?
- Alle Befestigungspunkte mit vorgeschriebenem Anzugsmoment montiert?
- Modul-Klemmen auf korrekten Sitz und vollständiges Einrasten geprüft?
- Nach Sturmereignissen: Sichtinspektion auf gelockerte oder verlorene Klemmen
Besonderheiten bei Flachdach-Auflastsystemen
Freiaufgestellte Systeme auf Flachdächern (Auflastsysteme ohne Dachperforation) werden durch Eigengewicht-Ballast gegen Windsog gehalten:
- Ballastberechnung muss standortspezifisch erfolgen
- Erhöhte Randfelder und Eckfelder benötigen mehr Ballast
- Dachstatik für Ballastgewicht ausreichend?
- Ballastplatten vollzählig und korrekt positioniert?
Häufige Mängel bei Windlastprüfungen
- Fehlende oder veraltete Statikdokumentation
- Klemmen mit falschem Anzugsmoment montiert (Drehmomentschlüssel nicht verwendet)
- Überstände der Module über Schienenlänge zu groß
- Unzureichender Ballast bei Flachdachsystemen in Randzonen
- Dachhaken in zu weitem Abstand montiert (> empfohlener Sparrenabstand)
Fazit
Die Windlastprüfung ist ein sicherheitskritischer Aspekt jeder PV-Inspektion. Unzureichend befestigte Module können bei Sturmereignissen abgehoben werden und erhebliche Personen- und Sachschäden verursachen. Eine Prüfung der Bemessungsdokumentation und der Ausführungsqualität ist unverzichtbar.