Schneelastprüfung bei PV-Anlagen: Anforderungen und Kontrolle
Schneelastprüfung bei PV-Anlagen: Schneelastzonen nach DIN EN 1991-1-3, Modulbelastbarkeit nach IEC 61215 und Inspektion nach Schneeereignissen.
Von Redaktion Pvcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 22. November 2025
Schneelast als mechanische Einwirkung auf PV-Module
Schneelast ist in Mittelgebirgs- und Alpenregionen Deutschlands eine maßgebende Einwirkung auf PV-Montagesysteme. Ein Quadratmeter nasser Schnee von 30 cm Höhe kann eine Flächenlast von 1,5–3 kN/m² erzeugen – das entspricht dem Gewicht von 150–300 kg pro Quadratmeter Modulfläche. PV-Module und Unterkonstruktionen müssen für die standortspezifische Schneelast ausgelegt sein, sonst drohen strukturelle Schäden.
Normative Anforderungen
Für die Schneelastbemessung gelten:
- DIN EN 1991-1-3 (Eurocode 1): Einwirkungen auf Tragwerke – Schneelasten
- Nationaler Anhang (NA) zur DIN EN 1991-1-3: Schneelastzonen für Deutschland
- IEC 61215 Abschnitt 10.16: Mechanische Belastungsprüfung PV-Module (5400 Pa = 550 kg/m²)
Schneelastzonen in Deutschland
Deutschland ist in drei Schneelastzonen eingeteilt:
- Zone 1: Tieflagen Norddeutschlands (s_k = 0,65–0,85 kN/m²)
- Zone 2: Mittelgebirgsvorland und mittlere Lagen (s_k = 0,85–1,60 kN/m²)
- Zone 3: Hochlagen und Alpenvorland (s_k > 1,60 kN/m²); Sondergebiete mit erhöhten Lasten
Auswirkungen von Schneelast auf Module
Schneelast kann folgende Schäden verursachen:
- Glasbruch bei zu hoher Punktlast (z. B. Schneerutsch von höher gelegenem Dachteil)
- Mikrorisse durch gleichmäßige Flächenlast über Norm
- Verformung von Modulrahmen bei unzureichend dimensionierten Klemmpositionen
- Beschädigung der Unterkonstruktion durch dauerhaft erhöhte Last
Prüfpunkte nach Schneeereignis
Nach einem starken Schneeereignis sollte folgende Inspektion durchgeführt werden:
- Visuelle Inspektion der Modulflächen: Glasrisse, Rahmenschäden, verschobene Module
- EL-Messung: Neue Mikrorisse durch Schneelast erkennen
- IV-Kennlinie: Leistungsveränderung nach dem Ereignis
- Montagesystem: Verformungen, gelockerte Klemmen, Dachhaken geprüft
- Unterkonstruktion: Schienen auf Verbiegung, Abstandshalter auf Lageveränderung
Schneelasten und Modul-Statik
Die zulässige Schneelast für PV-Module ist aus dem Datenblatt des Modulherstellers zu entnehmen. Typische Werte für kristalline Module:
- Standardmodule: 2400 Pa vorne (Druck) + 2400 Pa hinten (Sog) nach IEC 61215
- Verstärkte Module: 5400 Pa (für Alpenregionen / Hochschneelastzonen)
- Klemmpositionen: die Klemmanordnung bestimmt die Statik; Montagevorschrift des Herstellers einhalten
Fazit
Die Schneelastprüfung ist besonders in Bergregionen und Alpenvorland ein kritischer Bestandteil der Anlageninspektion. Die Prüfung umfasst die Dokumentation der geltenden Schneelastzone, die Auslegung des Montagesystems und eine Post-Ereignis-Inspektion nach starken Schneefällen.