Schneckenspuren auf Solarmodulen: Ursachen und Auswirkungen
Schneckenspuren auf Solarmodulen: Entstehungsursachen, Leistungsauswirkungen und Diagnose durch EL-Messung und IV-Analyse erklärt.
Von Redaktion Pvcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 25. Oktober 2025
Was sind Schneckenspuren bei Solarmodulen?
Als „Schneckenspuren" (englisch: Snail Trails) bezeichnet man braun-schwarze Verfärbungen auf der Vorderseite von Solarmodulen, die einem Schneckenpfad ähneln. Sie verlaufen typischerweise entlang der Busbars und Finger der Solarzellen. Schneckenspuren sind ein optisches Phänomen, dessen technische Bedeutung lange unterschätzt wurde. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass sie in bestimmten Fällen mit messbaren Leistungsverlusten korrelieren.
Entstehungsursache
Der genaue Entstehungsmechanismus ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt:
- Feuchtigkeit dringt in Mikrorisse in der Silberpaste der Busbars ein
- Oxidation des Silbers führt zu Silberoxid (braun/schwarz)
- Der Prozess wird durch Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Temperaturwechsel beschleunigt
- Die EVA-Folie (Einbettungsmaterial) wirkt als Mediator durch Bildung von Essigsäure bei Hydrolyse
Zusammenhang mit Mikrorissen
Schneckenspuren entstehen bevorzugt an Mikrorissen in den Siliziumzellen. Mikrorisse bilden sich durch:
- Mechanische Belastung während Transport und Montage
- Thermische Zyklen (Tag/Nacht, Winter/Sommer)
- Hagelschlag oder Sturmlast
- Unsachgemäße Handhabung auf der Baustelle
Leistungsauswirkungen
Schneckenspuren führen nicht automatisch zu Leistungsverlusten. Die Auswirkung hängt davon ab, ob die Mikrorisse die aktive Zellfläche elektrisch unterbrochen haben:
- Schneckenspuren ohne elektrische Unterbrechung: kein messbarer Leistungsverlust
- Schneckenspuren mit partiellem Zellabtrennung: 1–5 % Leistungsverlust
- Schneckenspuren mit vollständig abgetrennten Zellbereichen: bis 20 % Modulleistverlust möglich
Diagnose und Differenzierung
Zur Bewertung der Schneckenspuren sind folgende Diagnoseschritte empfohlen:
- Visuelle Inspektion: Ausmaß und Verlauf der Verfärbungen dokumentieren
- EL-Messung: Zeigt, ob mit den Schneckenspuren elektrische Zellunterbrechungen verbunden sind
- IV-Kurve: Quantifiziert den tatsächlichen Leistungsverlust
- Vergleichsmessung: Betroffenes Modul mit benachbartem, nicht betroffenem Modul vergleichen
Garantieansprüche
Schneckenspuren sind häufig Gegenstand von Garantiestreitigkeiten. Wichtige Aspekte:
- Viele Modulhersteller schließen Schneckenspuren explizit aus der Garantie aus, sofern kein messbarer Leistungsverlust vorliegt
- Wenn Schneckenspuren mit Mikrorissen und Leistungsverlusten über der Herstellertoleranz kombiniert auftreten, sind Garantieansprüche prüfbar
- EL-Bilder und IV-Messungen sind für Garantieansprüche unerlässlich
Präventionsmaßnahmen
- Transport und Handhabung der Module nach IEC 62759-1 (Transporttest)
- Eingangsinspektion mit EL-Messung bei Großprojekten (Stichprobenumfang nach IEC TS 62446)
- Auswahl von Modulen mit verbesserter Fingermetallisierung (Ag-Pd-Paste, Kupferfingermodule)
Fazit
Schneckenspuren sind ein weit verbreitetes, aber nicht immer problematisches Phänomen. Ihre tatsächliche Bedeutung lässt sich nur durch eine Kombination aus EL-Messung und IV-Kennlinie zuverlässig beurteilen. Eine pauschale Alarmierung bei sichtbaren Schneckenspuren ist nicht gerechtfertigt, eine fachkundige Bewertung aber unerlässlich.