Netzanschluss von PV-Anlagen: AC-seitige Prüfung
AC-seitige Prüfung von PV-Anlagen: Absicherung, RCD-Typ, NA-Schutz und Einspeisequalität für normgerechten Netzbetrieb.
Von Redaktion Pvcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 17. Oktober 2025
AC-seitige Prüfung als Teil der Gesamtinspektion
Die AC-seitige Prüfung einer PV-Anlage umfasst alle Komponenten zwischen dem Wechselrichterausgang und dem Verknüpfungspunkt mit dem öffentlichen Netz. Sie stellt sicher, dass die Anlage normgerecht angeschlossen ist, die Netzverträglichkeit gewährleistet ist und Schutzeinrichtungen korrekt funktionieren. Fehler auf der AC-Seite können zu Netzstörungen, Ausfällen anderer Verbraucher und im schlimmsten Fall zu gefährlichen Spannungserhöhungen führen.
Komponenten der AC-Verkettung
Die AC-seitige Verschaltung umfasst typischerweise:
- Wechselrichterausgang mit Klemmen für L1/L2/L3/N/PE
- AC-Leitungsschutzschalter (Leitungsschutzschalter Typ B oder C)
- Fehlerstromschutzschalter (RCD Typ A oder B je nach Wechselrichtertyp)
- AC-Einspeisepunkt im Zählerkasten
- Einspeisezähler (bidirektional oder zweitariffig)
- Netzentkoppelungsrelais (NA-Schutz, heute meist im Wechselrichter integriert)
Prüfung der Absicherung
Die Absicherung auf der AC-Seite muss auf den maximalen AC-Ausgangsstrom des Wechselrichters abgestimmt sein:
- Leitungsschutzschalter: Nennstrom ≥ 1,25 × Imax_AC des Wechselrichters
- Leitungsquerschnitt: passend zum Leitungsschutzschalter und zur Leitungslänge
- Kabeltyp: NYM-J oder NYY-J für feste Verlegung; H07V-K für flexible Verdrahtung im Verteiler
Fehlerstromschutzschalter: Typ A oder B?
Die Frage nach dem richtigen RCD-Typ ist bei PV-Anlagen besonders wichtig:
- Typ A: Erkennt pulsierende Gleichfehlerströme. Ausreichend für Wechselrichter mit galvanischer Trennung (Trafo).
- Typ B: Erkennt zusätzlich glattwellige Gleichfehlerströme. Erforderlich für transformatorlose Wechselrichter.
- Viele moderne transformatorlose Wechselrichter haben integrierte Gleichfehlerstrommessung und lassen Typ A zu – Hersteller-Datenblatt prüfen!
NA-Schutz und Netzüberwachung
Der Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) trennt die PV-Anlage automatisch vom Netz, wenn Netzparameter außerhalb der zulässigen Grenzen liegen (Spannung, Frequenz). Prüfung:
- Auslösekennlinie des NA-Schutzes (Spannung: 0,85–1,15 × Un; Frequenz: 47,5–51,5 Hz)
- Auslösezeit: < 200 ms bei starken Abweichungen
- Zertifizierung nach VDE-AR-N 4105 (Haushalte) oder VDE-AR-N 4110 (Mittelspannung)
- Aktualität der Firmware (Netzparameter-Updates)
Messung der Einspeisequaliät
Für Anlagen ab 100 kW empfiehlt sich eine Messung der Einspeisequalität:
- Spannungsqualität nach EN 50160 (Flicker, Harmonische, Unsymmetrie)
- Leistungsfaktor cos φ (Sollwert: > 0,95 induktiv bei Volllast)
- THD (Gesamtoberschwingungsgehalt) der eingespeisten Spannung: < 5 %
Häufige Befunde bei der AC-Prüfung
- Falscher RCD-Typ eingebaut (Typ A statt B bei transformatorlosem Wechselrichter)
- Unterdimensionierte Zuleitung vom Wechselrichter zum Zählerkasten
- Fehlende oder falsche Kennzeichnung der AC-Leitungen
- Veralteter NA-Schutz ohne aktuelle Zertifizierung nach VDE-AR-N 4105
- Fehlende Netzentkopplungsdokumentation für den Netzbetreiber
Fazit
Die AC-seitige Prüfung ist ein sicherheitsrelevanter Bestandteil jeder PV-Inspektion. Sie stellt sicher, dass die Anlage netzverträglich einspeist und alle Schutzeinrichtungen korrekt arbeiten. Besonderes Augenmerk gilt dem RCD-Typ, der NA-Schutz-Zertifizierung und der Dimensionierung der AC-Zuleitung.