LID – Lichtinduzierte Degradation bei Solarmodulen erklärt
LID bei Solarmodulen: Physikalischer Mechanismus, Ausprägung bei verschiedenen Technologien, LeTID bei PERC und Auswirkungen auf die Ertragsplanung.
Von Redaktion Pvcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 4. November 2025
Was ist LID?
Light-Induced Degradation (LID), deutsch: lichtinduzierte Degradation, beschreibt den Leistungsverlust, den kristalline Solarmodule in den ersten Betriebsstunden bis Betriebstagen erleiden. Der Effekt ist bekannt, gut dokumentiert und bei der Ertragsplanung zu berücksichtigen. Hersteller garantieren typischerweise eine maximale LID von 2–3 % im ersten Betriebsjahr.
Physikalischer Hintergrund
LID tritt bei bor-dotierten Siliziumzellen (p-Typ) auf. Unter Lichteinwirkung bilden sich metastabile Bor-Sauerstoff-Komplexe (B-O-Defekte), die als Rekombinationszentren wirken und die Ladungsträgerlebensdauer im Halbleiter reduzieren. Dies führt zu einem Absinken des Kurzschlussstroms und der Effizienz. Der Prozess ist:
- Reproduzierbar und industrieweit bekannt
- Reversibel unter bestimmten Bedingungen (Regenerationsbehandlung)
- Abhängig vom Sauerstoffgehalt im Silizium (Float-Zone-Si zeigt kaum LID)
- Abgeschlossen nach 100–1000 Betriebsstunden je nach Einstrahlungsintensität
LID bei verschiedenen Modultechnologien
LID ist technologieabhängig:
- BSF-Module (p-Typ, Standard): LID typisch 1–3 %
- PERC-Module (p-Typ): Können LID und zusätzlich LeTID zeigen
- HJT-Module (n-Typ): Nahezu LID-frei
- TOPCon-Module (n-Typ): Sehr geringe LID (< 0,5 %)
- Monofaziale vs. bifaziale: Technologieabhängig, nicht primär von mono/bifazial
LeTID: Die neuere Variante bei PERC
Bei PERC-Modulen tritt neben dem klassischen LID ein weiterer Effekt auf: Light and elevated Temperature-Induced Degradation (LeTID). Charakteristika:
- Auftritt: Monate bis Jahre nach Inbetriebnahme
- Ausmaß: bis zu 10 % Leistungsverlust in Extremfällen
- Temperaturabhängig: stärker ausgeprägt bei hohen Modultemperaturen
- Reversibel: Spontane Regeneration nach einigen Tausend Betriebsstunden
LID bei der Anlagenabnahme berücksichtigen
Bei der Abnahmemessung unmittelbar nach Inbetriebnahme ist zu beachten:
- Die gemessene Modulleistung liegt typischerweise 1–3 % über dem späteren (eingeschwungenen) Wert
- Der Abnahmewert ist daher kein verlässlicher Langzeitrichtwert
- Empfehlung: Referenzmessung nach 100–200 Betriebsstunden als Ausgangsbasis für Degradationsmonitoring
Prüfung und Monitoring
Die Erfassung der LID erfordert:
- IV-Messung mit STC-Korrektur bei Inbetriebnahme (Initialwert)
- Erneute Messung nach 3–6 Monaten (LID-eingeschwungener Zustand)
- Vergleich: Die Differenz entspricht der gemessenen LID
- Überschreitet die LID die Herstellergarantie: Dokumentation für Garantiefall
Fazit
LID ist ein normaler, erwarteter Effekt bei p-Typ-Solarmodulen und sollte in der Ertragsplanung berücksichtigt werden. Bei der Inspektion und im Monitoring ist zu unterscheiden, ob eine gemessene Leistungsminderung auf LID oder auf andere Defekte zurückzuführen ist. n-Typ-Module (HJT, TOPCon) bieten hier klare Vorteile.